Wie viel Akku? Warum ein Drohnenbauer gerade unseren Ladentisch umbaut.

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Wie viel Akku? Warum ein Drohnenbauer gerade unseren Ladentisch umbaut.
Crussis e-Full 12.11, Avinox M2S, 150Nmn, 800Wh Akku (bei Sölle Sport lagernd, Stand 15.08.2026)

Die erste Frage ist fast nie der Preis. Wer bei uns vor einem E-Bike steht, will als Erstes wissen: Wie viel Akku? 800 Wattstunden, gern mehr. Die Leute reden über Wattstunden wie ihre Väter über PS. Und ich verstehe es gut: Die Kapazität entscheidet, ob die Tour bis zur Hütte reicht oder ob man das letzte Stück schiebt, was die Stimmung bekanntlich selten hebt.

Was mich an diesem Moment am Ladentisch fasziniert: Vor fünf Jahren war der Motor der Kompromiss, den man dem E-Bike verzieh. Heute ist er das Erste, wonach gefragt wird. Der Markt ist an uns allen vorbeigezogen, leise und schnell. Und die eigentlich spannende Frage ist, wer ihn antreibt.

Wer die Regeln neu schreibt

Innovation kommt im Sport auf drei Wegen:

  • über das Material (der Schuh mit der Karbonplatte),
  • über eine ganz neue Sportart (siehe Padel, aus dem Nichts auf jeden zweiten Tennisplatz),
  • oder über einen Quereinsteiger, der eigentlich etwas völlig anderes kann. Der dritte Weg ist der unterhaltsamste.

Für chinesische Konzerne ist der Sprung ins fremde Fach Methode, kein Betriebsunfall. Xiaomi hat mit Smartphones und Reiskochern angefangen und verkauft heute Elektroautos, 135.000 im ersten Jahr. BYD baute Batterien, bevor es zu einem der größten Autobauer der Welt wurde. Wer Akku, Motor und Software beherrscht, trägt diese drei Bausteine in alles, was rollt oder fliegt. Ein Fahrrad rollt. Eine Drohne fliegt. Der Rest ist Mut.

Zwei Jahre, in denen ein Drohnenbauer den Takt vorgibt

Und damit zu DJI. Ja, die von den Drohnen. Im Juli 2024 stellt der Konzern auf der Eurobike seinen ersten Fahrradmotor vor, den Avinox, und die halbe Branche verschluckt sich am Messekaffee: bis zu 1.000 Watt Spitze, 120 Newtonmeter, im leichtesten Gehäuse am Markt. Bosch, Platzhirsch seit Jahrzehnten, stand da bei 85 Newtonmetern.

„Unsere Erfahrung mit Batterien und Motoren aus dem Drohnenbau hat uns zu Avinox geführt", sagt DJI-Strategiechefin Christina Zhang. Kamerastabilisierung, Akkumanagement, Fluglageregelung: genau die Disziplinen, die auch einen guten Fahrradmotor ausmachen. DJI hat seine Stärken einfach an einen Ort getragen, der keinen Wächter hatte.

Zwei Jahre später verbauen über 60 Marken den Antrieb, und Bosch hat seine Motoren per Software-Update auf 120 Newtonmeter nachgezogen, exakt die Zahl des Neulings. Den Takt gibt jetzt der vor, der vor Kurzem noch Kameradrohnen baute. Ein Machtwechsel, fast so leise wie der Motor selbst.

KI-generiert mit Canva,

Der Blick in die Glaskugel

Bleibt die Frage, die ich am Ladentisch immer öfter höre: Was kommt als Nächstes?

Erstens der alte Traum: ein Motor, der sich selbst auflädt. In der Nabe gibt es das schon, Marken wie Zehus oder Stromer holen beim Bremsen bis zu 20 Prozent Reichweite zurück. Nur sitzen die starken, leichten Motoren im Tretlager, wo bergab kaum etwas zurückfließt. Ein Rad, das sich auf der Abfahrt einsammelt, was es auf der nächsten Rampe wieder hergibt: das wäre was. Wer es zuerst elegant hinbekommt, gewinnt das Jahrzehnt.

Zweitens die Wattfrage. Der aktuelle Avinox liefert 1.500 Watt in der Spitze, völlig legal, weil die EU nur die Dauerleistung deckelt (250 Watt) und die Spitze offenlässt. In dieser Lücke tobt das Wettrüsten. Wie stark ein Motor sein kann, sagt die Physik. Wie stark er sein darf, sagt eine Verordnung. Und Verordnungen sind langsamer als chinesische Ingenieure.

Drittens die unbequeme These, und die sitze ich aus: Das Muskelrad als Alltagsgefährt verschwindet. In zehn Jahren ist das Rad ohne Motor die Ausnahme, so wie der Handschalter im Auto. Was bleibt, ist das Treten aus freien Stücken: Sport, Anstrengung, die man sucht, weil man sie sucht. Genau in dem Moment, in dem der Motor zum Standard wird, wird das Muskelrad zum Statement.

Die Branche zählt derweil Watt und Newtonmeter und feiert, wer vorn liegt. Die Frage, die bei uns am Ladentisch mitschwingt, stellt kaum ein Hersteller: Was soll ein Fahrrad 2035 eigentlich sein, Sportgerät, Verkehrsmittel oder Computer auf zwei Rädern? Solange darauf niemand antwortet, schreiben die Quereinsteiger die Regeln. Und, das muss man ihnen lassen: Bisher schreiben sie sie ziemlich gut.Wie viel Akku? Warum ein Drohnenbauer gerade unseren Ladentisch umbaut.

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