Warum leasen alle ein Auto, aber niemand ein Fahrrad?

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Warum leasen alle ein Auto, aber niemand ein Fahrrad?
Photo by Nuno Ricardo / Unsplash

Über Finanzierungslücken, Sparweltmeister und die Frage, warum wir bei einem €4.800-E-Bike anders rechnen als bei allem anderen.

Österreicher sind Sparweltmeister. Sparbuch, Bausparer, Notgroschen: das sitzt. Was nicht sitzt, ist die Frage danach, wie man eine größere Anschaffung finanziert, wenn das Sparbuch gerade nicht reicht.

Letzte Woche stand jemand bei uns im Laden in Tröpolach, vor dem KTM Macina Aera. 4.799 Euro. Gutes E-Bike, ABS, gemacht für Alltag und Fahrradtouren. Er hat gerechnet, geschluckt, und gesagt: „Muss ich noch drauf sparen." Ob es Finanzierung gibt, hat er nicht gefragt. Ob sein Arbeitgeber Dienstrad-Leasing anbietet, auch nicht.

Es ist eine Szene, die sich wiederholt. Leute kommen rein, wissen genau, was sie wollen (Reifenbreite, Geometrie, Federweg: die haben sich vorbereitet). Sie informieren sich über alles. Außer darüber, wie sie es bezahlen können, ohne den vollen Betrag auf einmal hinzulegen.

Was es gibt

Beim Dienstrad hat sich viel getan. Seit der Steuerreform 2020 ist Fahrrad-Leasing über den Arbeitgeber möglich: Leasingrate vom Bruttogehalt, Sachbezugswert null, bis zu 40 Prozent günstiger als privat kaufen. Der Markt ist sechsmal so groß wie noch 2022. Wir arbeiten bei Sölle mit drei Anbietern:

Das wird nachgefragt, das funktioniert.

Aber das Dienstrad ist an den Arbeitgeber gebunden. Wer Teilzeit arbeitet, selbstständig ist, befristet angestellt, oder einen Arbeitgeber hat, der nicht mitmacht: für den gibt es diesen Hebel nicht.

Und hier wird es still. Es gibt 0-Prozent-Finanzierung im Fachhandel. Ratenzahlung über Santander oder Klarna. Ab 500 Euro, 12 bis 36 Monate, Antrag in Minuten. Die Werkzeuge existieren. Danach fragt fast niemand.

Warum fragt niemand?

Österreich liegt auf Platz 2 weltweit bei Financial Literacy. OECD-Studie, 72 von 100 Punkten, nur Deutschland davor. Wir können rechnen. Und trotzdem sitzen die größten Wissenslücken bei Zinseszins und Risikostreuung: genau dort, wo Finanzierungsentscheidungen leben. Was kostet mich das Rad über 36 Monate wirklich? Was zahle ich bei 0 Prozent Zinsen an Gebühren? Wie vergleiche ich Gesamtkosten?

Halb Österreich kauft Sneakers auf Klarna in drei Raten. Möbel auf Teilzahlung. Laptops auf Kredit. Bei Konsumgütern ist Buy Now Pay Later Alltag. Beim Fahrrad: Stille.

Es ist eine Kulturfrage. Ein Fahrrad kauft man. Es gehört einem. So war das immer. Finanzierung gehört in die Welt der Autos: Leasingrückgabe, Kilometervertrag, Kleingedrucktes. Leasing riecht nach Verbindlichkeit und Kontrolle. Dass ein E-Bike heute so viel kostet wie ein gebrauchter Kleinwagen, hat das Denken noch nicht eingeholt.

Dazu kommt eine Förderlücke, die überrascht: Auf Bundesebene gibt es keinen einzigen Euro Förderung für normale E-Bikes. Nur Lastenräder und Falträder. Wer ein E-Bike zum Pendeln oder am Berg kauft: nichts. Und Kärnten hat als Bundesland noch keine eigene Verordnung, um Dienstrad-Leasing für Landesbedienstete zu öffnen. Vorarlberg hat das seit 2023, Oberösterreich seit 2025. Kärnten steht noch aus.

Deutschland ist acht Jahre weiter. Zwei Millionen geleaste Diensträder, 720.000 neue Verträge pro Jahr. Dort ist die Frage nicht mehr ob, sondern welches Rad. In Österreich fangen wir bei den Finanzierungsoptionen jenseits des Dienstrads gerade erst an, die Frage überhaupt zu stellen.

Und es gibt eine Lücke in der Lücke: Bei Financial Literacy scoren junge Frauen niedriger als junge Männer. Bei Interesse am Dienstrad liegt die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen bei 76 Prozent. Die Nachfrage wäre da. Das Wissen, wie man sie umsetzt, fehlt überproportional bei denen, die am meisten davon profitieren würden.

Fragt uns

Wir erklären im Laden, was Dienstrad-Leasing ist, was 0-Prozent-Finanzierung bedeutet, und was für eure Situation Sinn macht. Keine Finanzberatung, aber ehrliche Antworten.

Das nächste Rad muss nicht auf einmal bezahlt werden.

Sölle Team